Der Begriff »Soziale Plastik« geht auf Joseph Beuys zurück, einen der international renommiertesten deutschen Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine größte Leistung sah Beuys selbst in der Erweiterung des Kunstbegriffs, wonach jeder Mensch per Geburt ein kreatives Wesen – ein Künstler, eine Künstlerin – ist.
Von da aus schlug er ab den 1970er Jahren vor, in »Plastik« oder »Skulptur« nicht mehr nur ein physisches Objekt zu sehen, sondern ein überräumliches und prozesshaftes Prinzip, das auch geistiges und seelisches Material ergreift und darüber hinaus die Gestaltungsprozesse der lebendigen Mitwelt umfasst.
Anknüpfend an die griechische Wurzel des Wortes »Plastik« – plastike, »plastisch« oder »formbar«, mit dem Verb plássein, »kneten« oder »formen« – wird hier eine »Kunst des Gestaltens« erkennbar,
Somit handelt die Soziale Plastik davon, das gesellschaftliche Geschehen in all seinen Aspekten – Wirtschaft, Soziales, Wissenschaft, Rechtswesen, Bildungswesen – aus den gegenwärtigen Deformationen heraus in überhaupt erst menschenwürdige und damit Zukunft stiftende Formen überführen.
Konkrete Ausformungen fand die Soziale Plastik bei Beuys selbst zum Beispiel in dem Werk »7000 Eichen«. Beginnend mit der documenta 7 im Jahr 1982 wurden in Kassel und von Kassel aus 7000 Bäume mit je einer Basaltstele als »Wächter« gepflanzt, dem Motto folgend: »Stadtverwaldung anstatt Stadtverwaltung«.